VW und sein Zulieferer Prevent streiten sich so, dass VW für zehntausende Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Die Presse hat in den letzten Tagen immer wieder den Blickwinkel von VW eingenommen. Verständlich, jeder kennt den größten Automobilhersteller der Welt und stillstehende Bänder, zehntausende Menschen in Kurzarbeit erzielen natürlich einen größeren Effekt als die Geschichte eines kleinen Unternehmens in Bosnien mit ein paar Hundert Mitarbeitern.

Leider kann man sich als Außenstehender kein objektives Bild darüber machen, wer in dem Streit zwischen VW und Prevent wohl die besseren Argumente hat. Allerdings ist es kaum plausibel, dass ein Zulieferer nur aus Spaß seine Existenz aufs Spiel setzt, indem er die Lieferung an VW einstellt. Zulieferer sind so abhängig von den Großkonzernen der Automobilindustrie, dass sie bislang immer gekuscht haben. Sie werden von ihren Auftraggebern intensivst überwacht. Experten der Konzerne gehen bei den Zulieferern ein und aus. Sie kennen jeden Winkel in deren Produktion, jedes Komma in deren Gewinn- und Verlustrechnung. Sie gönnen ihnen üblicherweise zu wenig zum Leben aber zu viel zum Sterben, Preise, die kaum die Kapitalkosten decken, aber nicht das enorme unternehmerische Risiko, das die Mittelständler eingehen.

Mit dem derzeitigen Lieferstopp gegen VW macht sich Prevent nicht nur seinen momentanen Kunden zum Feind. Wahrscheinlich wird Prevent auch auf die schwarze Liste aller Auto-Konzerne gesetzt. Ein solches Vorgehen macht man nur, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht. Daher spricht einiges dafür, dass Prevent Recht haben könnte. VW soll angeblich Aufträge grundlos und fristlos gekündigt haben. Dazu muss man verstehen, dass Zulieferer immer mit unglaublichen Summen in Vorleistung gehen müssen, bevor sie den Auftrag ausführen können. Prevent wird sicherlich zig Millionen Euro Investitionen getätigt haben, um den VW Auftrag ausführen zu können. Diese Investitionen sind spezifisch für einen Auftrag. Wenn er wegfällt, muss man die Investitionen abschreiben. Sollte der Auftrag also tatsächlich grundlos vorzeitig gekündigt worden sein, hätte Prevent also einen extrem hohen Schaden. Vielleicht so hoch, dass er für Prevent existenzgefährdend ist.

VW ist leider nicht für besonders ethisches Geschäftsgebaren bekannt. Es wäre nicht das erste Mal, dass VW im Graubereich des gesetzlich zulässigen operiert. Es wäre auch nicht das erste Mal, das VW mit einem Zulieferer so einen großen Streit anfängt, dass dieser in existenzielle Nöte gerät.

Leider berichtet nur niemand über diese Fälle. Wen interessiert es schon, wenn bei einem Unternehmen irgendwo in Mittelfranken oder anderswo ein paar Dutzend oder vielleicht auch ein paar Hundert Mitarbeiter entlassen werden müssen. Der Fokus ist immer auf die too big to fail Großkonzerne, die sich mal eben erlauben, ihre Probleme zu Lasten von uns Steuerzahler*innen auszutragen. Thomas Gambke hat Recht: Kurzarbeitergeld vom Staat für einen Streit zwischen VW und seinem Zulieferer geht gar nicht!

 

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