Helikopter-Ben wurde der ehemalige Chef der amerikanischen Notenbank bezeichnet, weil er ernsthaft die Idee ins Spiel gebracht hat, dass Notenbanken zur Bekämpfung von Deflation Geld drucken sollten und dies an alle Bürgerinnen und Bürger verteilen sollten. Die Idee ist an sich deutlich älter, schon Milton Friedman war ein Fan von Helikopter-Geld.

Bislang hat sich noch keine Notenbank diesen radikalen Schritt getraut. Noch haben wir auch keine harte Deflation gesehen. Die Eurozone drohte in den letzten Jahren immer wieder in Deflation abzurutschen. Die EZB hat daher die Zinsen massiv gesenkt und so angeblich „deutsche Sparer enteignet“. Ein unsinniger Ausdruck, weil es „dem deutschen Sparer“ in einer heftigen Rezession noch viel schlechter ginge als in einer Niedrigzinsphase. Zusätzlich kauft die EZB im großen Stil Wertpapiere auf. Mit beiden Maßnahmen treibt sie massiv die Vermögenspreise nach oben.

Vielleicht schafft die EZB es, mit diesen Maßnahmen die deflationären Tendenzen in den Griff zu bekommen. In den letzten Monaten näherte sich die Inflation wieder den gewünschten 2%. Allerdings liegt das auch an statistischen Effekten und an den Energiepreisen. Die Kerninflation ist immer noch bedenklich niedrig. Es bleibt abzuwarten, ob sich auch die Kerninflation endlich wieder Richtung 2% bewegt. Es wäre schön, wenn die Politik der EZB von Erfolg gekrönt wäre. Leider ging sie mit massiven Nebenwirkungen einher. Vermögenspreisblase, verzweifelte Suche nach Rendite und gefährlich gesunkene Rentabilität von Banken, Bausparkassen und Versicherungen destabilisieren die Finanzmärkte und können leicht die Ursache für die nächste Krise sein. Außerdem profitiert von steigenden Vermögenspreisen sicher nicht die untere Hälfte der Bevölkerung. Verteilungspolitisch ist diese Politik der EZB ein Desaster.

Deswegen bin ich ein Fan von Bürgergeld oder quantitative easing for the peopleIm Rahmen unseres Buchprojektes Finanzwende haben Sven Giegold, Gerhard Schick und ich auch das Thema Helikopter-Geld intensiv diskutiert. Wir haben es im Buch nur kurz angerissen, weil wir uns nicht einigen konnten, ob und wie offensiv wir uns dafür aussprechen sollten. Das Problem mit Geldverteilen an all Bürger*innen ist, dass es zwar verteilungspolitisch wesentlich gerechter ist, als Vermögenspreise zu inflationären und sicherlich auch wesentlich effektiver als klassisches quantitative easing. Aber es ist „ungrün“. Welcher Grüner mag schon sinnlos den Konsum anheizen?

Daher die Idee, die EZB könnte gezielt grüne Projekte finanzieren. Zum Beispiel Anleihen der Europäischen Investitionsbank (EIB) aufkaufen, damit die EIB Kredite für grüne Projekte vergibt. Ich persönlich bin da jedoch skeptisch. Im Aufsichtsrat von Triodos, Europas führender Nachhaltigkeitsbank, sehe ich, wie schwer es ist, ausreichend ökologische Projekte zu finanzieren. Wir könnten viel mehr Kredite vergeben, wenn es mehr Projekte gäbe. Wenn die EIB jetzt noch subventioniert im großen Stil auf den Markt käme, würde sie nicht nur die GLS, Triodos und andere private Nachhaltigkeitsbanken aus dem Markt schießen, sie würde niemals 60 Milliarden Euro pro Monat Projekte finanzieren können (das ist das Volumen der QE Maßnahmen der EZB). Ich wette, nicht mal 60 Millionen würde sie schaffen.

Nach Abschluss unseres Buches ist mir aber noch eine neue Idee gekommen: Anstatt Vermögenspreise zu inflationieren, könnte die EZB doch im großen Stil CO2 Zertifikate kaufen. Auch so würde sie viel Geld unters Volk bringen und der Zertifikate Preis würde sehr schnell dahin gehen, wo wir ihn alle haben wollen: auf kurzfristig mindestens 30 Euro pro Tonne und mittelfristig noch viel viel höher.

Hier ist ein ausführliches Hintergrund Papier zum Thema Helikoptergeld von mir – QE for the people, das ich im Jahr 2015 verfasst habe.

 

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